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Typisch Rügen

Typisch Rügen


Alleen

Auf Rügen gibt es nicht einfach nur Straßen, bekannt sind unsere Alleen. Zu jeder Jahreszeit sind sie reizvoll. Im Frühjahr überwältigt das frische Grün. Im Sommer bilden sich lichtdurchflutete Laubtunnel. Im Herbst erstrahlen die schönsten und kräftigsten Farben. Im Winter sind es bizarre, manchmal mit Raureif und Schnee geschmückte Naturschönheiten. Vorwiegend alter Baumbestand aus Linden, Eichen, Kastanien, Birken, Blut- und Rotbuchen schmückt Straßen und Wege. Übrigens, ganz in der Nähe, in Sellin beginnt die Deutsche Alleenstraße, die nach über 1.000 km am Bodensee endet.

Bernstein – Tränen der Götter oder Gold der Ostsee

Bernstein, niederdeutsch „Bernen“= brennen. Bernstein ist fossiles Baumharz, welches älter als 1 Mio. Jahre alt ist, unabhängig von Herkunft und Eigenschaften. Den in den Lagerstätten des südlichen Ostseeraumes vorkommende Bernstein nennt man Baltischen Bernstein. Insgesamt gibt es über 80 verschiedene Sorten auf der Welt. Der Bernstein wurde im Laufe von Millionen Jahren mehrfach transportiert und umgelagert, z. B. durch die Eiszeiten. Der Baltische Bernstein ist in Aussehen (Tropfen, Zapfen, Knollen) und Farbe (hell bis rotbraun, durchsichtig, weiß, gelb bis fast schwarz) sehr unterschiedlich. Durch Reiben lädt sich Bernstein elektrostatisch auf. Er hat eine geringe Dichte, die ihn im Ostseewasser leicht schweben lässt. Er ist bei rußender Flamme leicht brennbar und duftet aromatisch. Bei 170 Grad C ist er verformbar und klebrig, bei 300 Grad C zersetzt er sich und zurück bleibt Kollophonium. Bernstein kann Einschlüsse enthalten wie Pilze, Moose, Nacktsamer, Schnecken, Fliegen, Spinnen.
Bernstein können sie sogar selber bei einem schönen Strandspaziergang sammeln. Des Weiteren können Sie das kleine Bernsteinmuseum in Sellin oder die Schaumanufaktur in Ribnitz-Damgarten, direkt an der B 105, besuchen.

Findlinge

Findlinge sind Gesteinsblöcke aus Granit oder Gneis, die mit dem Eis vor über 20.000 Jahren aus Skandinavien zu uns gebracht wurden. Wir finden sie auf der ganzen Insel "verstreut". Der älteste Findling, der urkundlich erwähnt wurde, nämlich 1792, ist der Stein am Kollicker Ort (Stubbenkammer). Der größte Findling der Insel Rügen ist der Buskam bei Göhren. Er hat ein Gewicht von 1.626 Tonnen.

Großsteingräber

Großsteingräber sind beeindruckende Grabanlagen aus der jüngeren Steinzeit (2.600 bis 1.800 J. v. u. Z.), gebaut aus riesigen Findlingen. Großsteingräber sind Ausdruck bäuerlicher Sesshaftigkeit und der Gewissheit dauerhaften Landbesitzes. Vor 150 Jahren gab es auf Rügen 236 dieser Grabmale, heute sind es noch 50 Großsteingräber in 27 Orten. Führt der Eingang an einer schmalen Seite durch einen niedrigen, engen Zugang in die rechteckige Kammer, so nennt man die Gräber Großdolmen (tol = Tisch, men = Stein). Befindet sich der Eingang an einer Längsseite, so ist es ein Ganggrab. Das einzig bekannte Ganggrab auf Rügen ist in der Nähe von Nipmerow. Die Gräber wurden mehrere Jahrhunderte genutzt. Grabbeigaben waren üblich, z. B. Waffen wie Beile, Meißel, Klingen.
Bei einer Wanderung bis Lancken – Granitz können Sie die dortigen Großsteingräber besichtigen. Bei einer Radtour nach Putbus kommen Sie an mehreren Großsteingräbern vorbei, z. B. an den Ziegensteinen bei Groß-Stresow oder dem Grab in Lauterbach, in der Nähe des Badehauses Goor. Des Weiteren befindet sich in der Nähe des Kap Arkona das Nobbinger Großsteingrab.

Hausmarken

Hausmarken sind runenartige Zeichen, mit denen die Rüganer, Mönchguter und Hiddenseer teilweise heute noch ihren Besitz anzeigen. Hausmarken erlangten die Bedeutung eines Siegels. Sie wurden von Generation zu Generation weitergegeben und an Haustüren und Hoftoren angebracht; aber auch Dachgiebel, Pflug, Egge, Butterfaß, Fischernetz wurden gekennzeichnet. Selbst die Tiere erhielten entsprechende Brandzeichen und auch auf Grabsteinen waren sie zu finden.
Im Fischerdorf Vitt bei Arkona, auf Mönchgut und Hiddensee können Sie die Hausmarken besonders gut entdecken.

Hügelgräber

Es gibt nicht nur Großsteingräber, sondern auch Hügelgräber auf Rügen.
Diese Begräbnisstätten stammen aus der Bronzezeit und sind 3.000 Jahre alt. Das größte Hügelgrab liegt direkt an der B 96 Richtung Sassnitz, direkt an der Abfahrt Sagard. Es ist 9 m hoch und hat einen Umfang von 150 m.

Kraniche (Grus grus)

Alljährlich weilen im Frühjahr für 3 bis 4 Wochen und im Herbst für ca. 8 Wochen Kraniche auf Rügen. Auf ihrem 3.000 km langen Vogelzug zwischen Sommer- und Winterquartier fliegen die Vögel des Glücks, wie sie auch genannt werden, die Rastplätze der Insel Rügen und der Vorpommerschen Boddenlandschaft an. Kraniche sind 1, 25 m groß und wiegen zwischen 4,5 kg (Weibchen) und 6,1 kg (Männchen) und werden ca. 25 Jahre alt. Sie haben ein graues Federkleid. Die stark verlängerten Armschwingen bilden den schwärzlich herabhängenden Schwanz. Auf dem Kopf haben sie einen leuchtend roten Federbusch. Zur Begrüßung und zur Balz werden schmetternde trompetenartige "Kruh-Laute" ausgestoßen, die in der 1,30 m langen Luftröhre gebildet werden. Jährlich weilen ca. 50.000 Kraniche auf Rügen.
Rast- und Schlafplätze befinden sich vorwiegend auf Westrügen und Ummanz. Dort sind auch Beobachtungsstände und es werden Führungen angeboten. Infos dazu gibt es beim Kranichzentrum in Waase (Ummanz).

Kreide

Hört man das Wort "Kreide", kommt die Erinnerung an das Märchen "Der Wolf und die 7 Geißlein", wo ja der Wolf Kreide frisst, um eine höhere Stimme zu bekommen. Oder die Gedanken gehen zur Schulkreide, welche allerdings größtenteils aus Gips besteht.

Besucher der Insel Rügen denken bei Kreide natürlich an die berühmten Kreidefelsen. Vor 69 Millionen Jahren entstand die Rügener Kreide. Es war ein Kreidemeer mit nördlicher Grenze im Bereich des heutigen Südschweden und der südlichen Abgrenzung des heutigen Harzes. Diese Meerstraße verband das französische Kreidemeer mit dem Meer im Bereich Krim-Kaukasus. In einer etwa 100 km breiten Zone lagerte sich die weiße Schreibkreide ab, die zu 73 % aus kalkigen Resten von Einzellern (Coccolithen) und 20 % aus Foraminiferen (Kammerlingen bis 4 mm groß) bestanden. Die Ablagerungen wuchsen jährlich 0,5 mm, damit waren für die Entstehung der Rügener Kreide 540.000 Jahre notwendig. Typisch für unsere Kreide sind Einschlüsse von Feuersteinen und Makrofossilien wie Seeigel und Donnerkeile. Während der Eiszeiten wurden die Kreideschichten zerwühlt, zerklüftet und angehoben.


Seit 160 Jahren wird auf Rügen die Kreide auch in Tagebauen abgebaut. Der Abbau erfolgte früher manuell und unter körperlich schweren Bedingungen.
Die Kreide wird abgebaut, aufgeschlemmt, entwässert und getrocknet. Wozu wird denn Kreide gebraucht? Sie wird vielseitig in der Industrie eingesetzt, wie z. B.

  • die Porzellan- und Steingutproduktion, auch Sanitärkeramik
  • Masseneinsatz in der Fliesenindustrie
  • Füllstoff für Fußbodenbeläge und in der Kabelindustrie
  • Füllstoff und Pigmentträger in Farben und Lacken
  • Kalziumträger in Futtermitteln
  • zur Rauchgasentschwefelung in Kohlekraftwerken
  • zur Abwasserbehandlung und als Düngekalk


Nicht zu vergessen die Heilkreide: Der Heilkreideschlamm ist ähnlich fein wie Marmorstaub. Diesen verwendeten die alten Griechen und Römer schon als Badezusatz. Rügener Heilkreide wird als Badezusatz oder als Packung angeboten, welche bei vielen Schmerzen Linderung verschaffen, wie z. B. bei Rheumatismus, Neuralgien, Ischias usw.


Die Kreidefelsen können Sie auf einer Wanderung im Nationalpark Jasmund sehen. An der Viktoriasicht haben sie den schönsten Blick auf den „Königsstuhl“. Weiterhin empfiehlt sich ein Ostseeausflug von Sellin, Binz oder Sassnitz aus bis zum Fuße der Kreidefelsen. Aber auch nach einem Besuch des Kreidemuseum Gummanz (bei Sagard) können Sie bis zum „kleinen Königsstuhl“ wandern. Von dort aus haben Sie eine wunderschöne Aussicht über das Rügener Land. Oder nutzen Sie die Gelegenheit zu einem Kreidebad oder einer Kreidepackung.

Mönchgut

Mönchgut ist eine der urigsten Landschaften Rügens. Es ist eine uralte Kulturlandschaft im Südosten der Insel, umgeben von Ostsee und Rügenschen Bodden, geprägt von Hügeln, Abbruchküsten, endlosen Sandstränden, Heidelandschaften und Salzwiesen. Vom 67 m hohen Bakenberg auf dem Zickerschen Höft hat man einen fantastischen Blick über das Wasser, welches ständig an der Küste arbeitet. Ohne die Bergrücken hätten wohl Sturmfluten der Vergangenheit den Zipfel Land längst verschluckt. Mönchgut soll bis an die Insel Ruden herangereicht haben, als 1304 eine schwere Sturmflut den „Wassergraben“ zwischen beiden Landflecken erheblich verbreiterte. (lt. Stralsunder Chronik).

Am Ortsausgang von Sellin, in Richtung Baabe verläuft die eigentliche Grenze zwischen Rügen und der Halbinsel Mönchgut – der Mönchgraben. Der Mönchgraben ist eine uralte angelegte Befestigungsanlage. Der Sage nach wurde der Mönchgrabe oberhalb von Baabe angelegt, der sich nach Westen hin bis zum Selliner See zog. Er war auf Weisung des Klosters Eldena bei Greifswald entstanden, damit deutlich eine Trennlinie zwischen geistigem und profanem Besitz erkennbar wurde. In Wirklichkeit muss er aber schon früher bestanden haben. Wie kam das Land zu seinem Namen? Im Jahre 1252 überließ der Rügenfürst Jaromar II. das „Land Reddevitz“ dem Zisterzienser Kloster Eldena bei Greifswald für eine jährliche Rente von 30 Mark. 1360 erwarb das Kloster auch den Rest der Halbinsel (Zicker) dazu. Dafür mussten sie 3.180 Mark zahlen. Fast 300 Jahre bis 1535 war das Land das „Gut der Mönche“. Daher der Name „Mönchgut“. Die Mönche siedelten deutsche Kolonisten aus Friesland, Schleswig-Holstein und Niedersachsen an und Mönchgut wurde Enklave von Rügen. Der kleine „Klosterstaat“ war vom Rest der Welt abgeschottet. Fremde Handwerker z. B. hatten keinen Zutritt. Den Mönchgutern war jeglicher Verkehr mit dem Rest der Insel untersagt. Sitten, Gebräuche, Hausformen, Trachten unterschieden sich grundsätzlich von denen der Insel Rügen.

Die Halbinsel war völlig isoliert und die Menschen waren vorwiegend Bauern, die die Fischerei als Nebenerwerb betrieben, bis die Küstenfischerei mit großen Reusen begann. Von da ab betrieben die Männer Fischerei und Seefahrt und die Frauen besorgten die Landwirtschaft. Die fleißigen und gleichberechtigt arbeitenden Frauen waren auf Mönchgut hoch geachtet. Sie hatten sogar das Recht, sich Ihren Mann selbst auszusuchen und um ihn zu werben. Das Familienleben war sehr harmonisch und der Zusammenhalt innerhalb der Dorfgemeinschaft sehr ausgeprägt. Typisch ist auch das Festhalten an Traditionen. So wurde z. B. bei der Geburt der ersten beiden Söhne rechts und links der Haustür ein Baum gepflanzt. Auch heute wird noch das kulturelle Erbe gepflegt. Die Mönchguter Trachtengruppe bringt mit ihren Tänzen, Trachten und Liedern dies den Menschen näher.

Die Ostsee

Die Ostsee ist ein Randmeer des Atlantiks. Sie hat eine Oberfläche von 386.000 qkm und befindet sich zwischen dem 10. und 20. Längengrad östlicher Länge und zwischen dem 54. und 66. Breitengrad nördlicher Breite (am 68. Breitengrad beginnt der Polarkreis). Die durchschnittliche Temperatur beträgt 7 Grad Celsius, der Salzgehalt liegt zwischen 7 und 15 Promille (bei Weststurm in der Tiefe). Die Wassertiefe um Rügen beträgt ca. 20 m.

Pflanzen in der Ostsee: Rotalgen, Braunalgen, Blasentang, Seegras und Phytoplankton.
Tiere in der Ostsee: Einzeller, Muscheln, Schnecken, Seesterne, Fische wie z.B. Dorsch, Hering, Wittling, seltener, Lachs, Butterfisch, Hornfisch.

Rohrdächer

Ursprünglich wurden die Dächer der Katen und Ställe mit Stroh eingedeckt. Da diese Dächer aber nur eine Lebensdauer von 20 Jahren hatten, verwendeten die Menschen den nachwachsenden Rohstoff Rohr. Das fertige Rohrdach hat eine Dicke von 35 cm. Es ist wasserdicht, dämmt gut Wärme und Schall und reguliert die Feuchtigkeit. Es hat eine Lebensdauer von 70 Jahren. Rohr wird bei Frost an den Boddenufern, heute meist schon mit Erntemaschinen, geschnitten. Es wird auch aus Polen und Ungarn importiert.
Sind Sie auf der Insel unterwegs, werden sie noch viele Rohrdächer sehen, neue, alte, wieder hergestellte und in verschiedenen Formen. Viel Spaß beim Entdecken!

Rügengötter/Slawengötter

Swantevit von "sventu" = heilig, stark, Lichtergott. Swantevit war der Gott der Götter aller Slawen. Er besaß 4 Gesichter und trug in einer Hand ein Schwert, in der anderen ein Trinkhorn. Höhepunkt des Kultes war das Erntefest. Das Heiligtum, der Tempel befand sich am Kap Arkona, welcher 1168 von den Dänen erstürmt wurde und die Christianisierung auf Rügen begann.
Rugievit war der Kriegsgott der Rügenslawen. Sein Tempel befand sich in Charenza, heute Garz. Er hatte 7 Gesichter unter einem Schädeldach und an einer Seite 7 Schwerter. Ein 8. Schwert hielt er in der erhobenen Hand.
Porevit hatte 5 Gesichter und befand sich im Tempel Charenza. Am Kap Arkona können Sie noch die Reste der Wallanlage besichtigen, außerdem gibt es einen hölzernen Swantevit zu sehen. In Garz kann noch die Wallanlage der Burg Charenza besichtigt und bestiegen werden.

Sanddorn

Überall auf Rügen, meist sogar an den Straßenrändern, stehen Sanddornsträucher. Es sind sommergrüne Zier- und Nutzsträucher mit dekorativen orangefarbenen Früchten, die besonders gut auf sonnigen, sandigen und feuchten Standorten gedeihen. Zur Rokokozeit als Zierstrauch kultiviert, fand man in den 30er Jahren heraus, dass Sanddorn einen sehr hohen Vitamin C Gehalt hat. Außerdem sind die Vitamine B12, A und E enthalten. Er wird auch die Zitrone des Nordens genannt. Verarbeitet wird Sanddorn zu leckeren Gelees, Marmeladen, Likören, aber auch zu Cremes oder heilkräftigen Ölen.
Sanddornprodukte finden Sie auf Märkten oder in Fachgeschäften. Den besten Sanddornlikör gibt es in der Edeldestille in Lieschow (Ummanz).

Zuckerhüte

Zuckerhüte werden auf Rügen bestimmte Hausformen genannt, deren Form an Zuckerhüte erinnert. Es handelt sich dabei um ein niederdeutsches Hallenhaus, welches einen fast quadratischen Grundriss hatte. Es gab keine Stuben, sondern nur offene Räume und eine Durchgangsdiele. Im Haus war nur eine Feuerstelle ohne Schornstein (Rauchhaus). Rauchhäuser gab es seit dem 12./13. Jh.
Das wohl bekannteste Rauchhaus ist das Pfarrwitwenhaus in Groß - Zicker. Bei der Besichtigung dieses Hauses fühlen Sie sich um Jahrhunderte zurück versetzt.

 
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